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Rhein-Neckar-Zeitung vom 15.12.2004
Die "alte Dame" ist generalüberholt zurück
Historische Bergbahn seit gestern wieder auf den Schienen - Zweiter Wagen trifft morgen ein

Soll ab Mitte März wieder zum Königstuhl fahren: die Bergbahn. Gestern wurde die erste der beiden generalüberholten Bahnen auf die Schienen gehoben. Foto: Alex

Kaz. Generalüberholt kehrte gestern der erste Wagen der oberen Bergbahn von Bern nach Heidelberg zurück. Der zweite soll morgen eintreffen. Bis auf die Farbe sind die Fahrzeuge äußerlich unverändert. Das Braun entspreche dem Originalzustand des Baujahres 1907, hieß es vor Ort. Im Gegensatz zur Anlieferung der neuen Wagen für den unteren Streckenabschnitt vor wenigen Wochen verlief die der Königstuhl-Bahn eher unspektakulär.
Schließlich sind die historischen Wagen mit etwa sieben Metern nicht Mal halb so lang wie die neuen. Der Transport bedurfte also keiner besonderen Sicherheitsvorkehrungen und der Tieflader samt Bergbahn traf pünktlich um 14 Uhr an der Station "Molkenkur" ein. Schnell war er so platziert, dass die Busse des Bergbahn-Ersatzverkehrs und andere Fahrzeuge ungehindert passieren konnten. Nach wenigen Minuten als "Schwebebahn" am Kran-Haken stand die rund sieben Tonnen schwere "alte Dame" wieder auf jenen Schienen, von denen sie vor zehn Monaten nach 97 Jahren unermüdlichen Einsatzes erstmals entfernt worden war.
Was geschah nun bei der Schweizer Firma Gangloff mit den Bergbahn-Wagen? Wie es hieß, wurden sie komplett demontiert, also in ihre Einzelteile zerlegt und auf ihre Sicherheit überprüft. Für Teile aus Stahl wie das Fahrwerk hieß das: Per Röntgenaufnahmen auf Haarrisse durchleuchten. Bei Dach und Boden aus Holz stand die Sanierung an. Planmäßig waren außerdem die Technik, wie etwa die Bremsen, zu erneuern und Heizelemente einzubauen.
Neu sind gemäß gesetzlicher Vorschriften außerdem ein Feuermelder sowie die Türverriegelungen. Auf den Einbau breiterer Türen, wie ursprünglich gefordert, konnte allerdings verzichtet werden. Dafür entfernte man die Trennscheibe zwischen zwei Abteilen, um bei Notfällen einen größeren Aktionsraum zu haben. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen an beiden Wagen werden die veranschlagten 900000 Euro nicht überschreiten. Inzwischen macht auch die Sanierung der Wagenhallen und der Stationsgebäude auf Molkenkur und Schloss Fortschritte. Schnitzwerk wie Jugendstilelemente waren dort zu erhalten. Die Hallen werden sich künftig in braunrotem Farbton präsentieren.
Wie bereits berichtet, stufte das Landesdenkmalamt die Bergbahn inzwischen als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" ein. Schließlich ist sie nicht nur die älteste Standseilbahn Baden-Württembergs, sondern auch künstlerisch und heimatgeschichtlich von besonderem Wert.
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