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Rhein-Neckar-Zeitung vom 11.11.2004

Vorwürfe gegen Vogt "ohne Substanz"
Ex-Vorstand der HSB wird vor Gericht wahrscheinlich Recht bekommen - Will er seinen Job wieder?
Von Alexander R. Wenisch
Vermutlich wird Manfred Vogt vor Gericht Recht bekommen. Die Vorwürfe, die im Frühjahr zur Abberufung Vogts als Vorstand der Heidelberger Straßen- und Bergbahn (HSB) und als Geschäftsführer der HVV führten, werden vor Gericht keinen Bestand haben. Am 22. Dezember wird eine Entscheidung fallen - bis Anfang Dezember haben die Parteien Gelegenheit, sich über eine Abfindung zu einigen. Es scheint aber, als wolle Vogt seinen alten Job wieder.
Im Februar hatte der HSB-Aufsichtsrat einstimmig Manfred Vogt den Stuhl vor die Tür gestellt (die RNZ berichtete mehrfach). Als Grundlage der Abberufung nannte die Vorsitzende des Gremiums, Heidelbergs Oberbürgermeisterin Beate Weber, den Paragraphen 84 des Aktiengesetzes: "Grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur Geschäftsführung, Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung" können damnach Gründe für eine Abberufung sein. Vogt, der zuvor Geschäftsführer der Südbadenbus in Freiburg und der Regionalbusverkehr Südwest in Karlsruhe war, wurde vorgeworfen, er sei bei der HSB sachlich und fachlich überfordert gewesen. Konkret wurde ihm vorgehalten, er habe an den so genannten Allianzgesprächen der drei Nahverkehrsunternehmen von Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg nur unregelmäßig teilgenommen und habe die neuen Variobahnen der HSB unnötigerweise für 400000 Euro umrüsten lassen. Das Fass zum Überlaufen brachte vermutlich die Vorgänge um die Bestellung und Umrüstung der Historischen Bergbahn.
Vogt ließ sich die Vorwürfe nicht gefallen und klagt seit Sommer gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber am Heidelberger Landgericht. Richter Hans-Joachim Stork machte gestern deutlich, dass die von der HSB vorgebrachten Entlassungsgründe ohne Substanz seien. "Unfähigkeit, unzureichendes Risikomanagement - wo ist das zu finden", fragte er. Die HSB habe keine ausreichenden Beweise liefern können.
Parallel zur gestrigen Verhandlung läuft ein Prozess zwischen Vogt und dem HSB-Mutterkonzern HVV, in dem über eine mögliche Abfindung Vogts verhandelt wird. Auch hier, war von Richter Stork gestern zu erfahren, seien sich seine Kollegen einig, dass die Vorwürfe gegen Vogt nicht tragbar seien. Jedoch konnten sich die Prozessparteien bislang anscheinend noch nicht über die Höhe der Abfindung einigen. Die dürfte recht hoch ausfallen. Vogts Vertrag wäre erst 2007 ausgelaufen; sein Monatsgehalt lag zwischen 20000 und 25000 Euro. Bis 10. Dezember muss über eine Abfindung entschieden werden.
Wenn dies nicht gelingt, wird zwei Tage vor Heiligabend der Prozess abgeschlossen. Und dann mit größter Wahrscheinlichkeit zugunsten Vogts. Laut dessen Rechtsanwalt Andreas Pentz könne sein Mandant dann seine Arbeit bei der HSB wieder aufnehmen. Und wie Pentz andeutete, scheint Vogt daran auch einiges zu liegen. "Auch wenn das der HSB und Frau Weber sauer aufstößt."
Vogt sei ohnehin zu einer Figur des kommunalpolitischen Schachs geworden. Am Rande der Verhandlung wurden Vorwürfe gegen OB Weber geäußert. Nach der Entscheidung des HSB-Aufsichtsrates unter Webers Vorsitz hatte auch der Heidelberger Gemeinderat mehrheitlich Vogts Abberufung empfohlen. Weber habe hier den Gemeinderat an der Nase herum geführt, äußerte sich ein Prozessbeteiligter. Denn als Nachfolgerin des Geschassten wurde Heike Kuntz als kommissarische Chefin eingesetzt, die schon länger als Webers Lieblingskandidatin gegolten habe. Vogts Rechtsanwalt wollte sich zu diesen Gerüchten nicht näher äußern.
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