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Rhein-Neckar-Zeitung vom 27.08.2004

Nie mehr den Rund-um-Blick genießen

Der Königstuhl-Turm soll an den Südwestrundfunk verkauft werden - Totalsanierung notwendig

Fernsehturm auf dem Königstuhl

Bald nicht mehr für die Öffentlichkeit zu-
gänglich: Der Turm auf dem Königstuhl.
Foto: Dagmar Welker

Von Karin Katzenberger-Ruf

Heidelbergs höchster Punkt wird wohl nie mehr für den die Öffentlichkeit zugänglich sein: Das erfuhr die Rhein-Neckar-Zeitung jetzt vom Leiter des Liegenschaftsamtes, Gerhard Gärtner.

Seinen Worten nach steht der Königstuhl-Turm zum Verkauf und es laufen bereits Verhandlungen mit dem Südwestrundfunk (SWR), der das Bauwerk aus dem Jahr 1959 weiterhin als Antennen-Standort braucht.

Eine Entscheidung sei spätestens im September zu erwarten, hieß es. Bereits seit etwa zwei Jahren ist der Turm wegen erheblicher Betonschäden für den Publikumsverkehr gesperrt. Die Kosten für eine Sanierung bezifferte Gärtner auf mindestens 700000 Euro. Dies sei das Ergebnis mehrerer Gutachten. Für die Stadt sei diese Investition derzeit "absolut nicht drin". Das dürfte freilich schon Ende des Jahres 2000 so gewesen sein, als die RNZ erstmals von den Verkaufsabsichten erfuhr. Nur waren diese damals offenbar noch nicht bis zur SWR-Führungsebene durchgedrungen. Allerdings war bereits zu erfahren, dass gerade viel Technisches in den Turm investiert worden sei und man das Projekt deshalb sicherlich nicht abschreiben wolle.

Eingeweiht wurde der Königstuhl-Turm im Dezember 1959. Aus dieser Zeit stammt auch ein Zeitungsartikel, der den Turm als "touristische Attraktion" beschreibt und in dem es heißt: "Sie sind weit gefahren, um diesen Blick in die Weite und ins Tal zu genießen. Wenn Sie klug sind, dann lassen Sie Ihren Wagen drunten in der Stadt. Ein richtiger Königstuhl-Besuch sollte mit der Bergbahn beginnen..." Das ist zurzeit bekanntlich nicht möglich.

Besonderes Merkmal: Badewanne
Besonderes Merkmal des Turmes ist die "Badewanne", die bis vor wenigen Jahren als städtischer Wasserbehälter diente. Darüber lag die Aussichtsplattform, die allerdings schon Ende 2002 ziemlich heruntergekommenaussah.

Risse im Beton, verrostete Geländer und eine marode Sitzbank fielen auf. Der Fahrstuhl war bereits über und über mit Kritzeleien beschmiert und bewegte sich überdies etwas Angst erregend ruppig nach oben. Laut Gerhard Gärtner war der Fahrstuhl aber nie ein Sicherheitsrisiko und funktionierte stets einwandfrei. Die Berichterstatterin kann sich noch gut an ihren letzten Aufenthalt auf dem Turm erinnern. Es war an einem Novembertag, an dem nur noch der obere Teil des Bauwerkes aus dem Nebel ragte. Der Blick nach unten war beeindruckend und das Sonnenbad auf der Aussichtsplattform äußerst angenehm. Nun stellt sich die Frage: Wäre ein Abriss des Turmes und ein Wiederaufbau nicht preiswerter als eine Total-Sanierung? Der mögliche Käufer wird dies wohl durchgerechnet haben. Vorgänger des Turm mit "Badewanne" war übrigens ein achteckiger Klinkerbau, der 130 Jahre bestand und nicht etwa wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, sondern weil er überflüssig erschien.

Einige Jahre später hätte man ihn wahrscheinlich unter Denkmalschutz gestellt. Bis auf weiteres werden die Gäste auf dem Königstuhl also auf den "Rund-um-Blick" verzichten müssen. Es sei denn, es entsteht irgendwann ein privat finanziertes Pendant zum Teltschik-Turm am Langen Kirschbaum...

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