<<

Rhein-Neckar-Zeitung vom 26.08.2004

Bus-Ersatzverkehr kann die Bergbahn nicht ersetzen

Mit dem Bus zum Königstuhl: Testfahrt vom Kornmarkt aus - HSB: "Bisher keine Beschwerden" - Arbeiten liegen im Zeitplan

Seit die Bergbahn-Trasse Baustelle ist, fahren Busse auf den Königstuhl. Das funktioniert zwar, ersetzt das Bergbahn-Erlebnis aber nicht. Foto: Dagmar Welker

Kaz. Seit mehreren Monaten ist die Bergbahn-Trasse zwischen Kornmarkt und Königstuhl Großbaustelle. Auf Hochtouren laufen derzeit die Arbeiten oberhalb der Station "Schloss". Im Jahr 2005 soll die Sanierung abgeschlossen sein. "Wir sind im Zeitplan" versicherte Franz-Wilhelm Coppius von der HSB auf RNZ-Anfrage. Bis dahin müssen die Berg- und Talfahrten mit Bussen absolviert werden, die täglich zwischen 9 und 19.30 Uhr im 30-Minuten- und an den Wochenenden im 20-Minuten-Takt verkehren. Auch das soll quasi wie am Schnürchen laufen. Wir machten den Test in Sachen "Bergbahnersatzverkehr".

Es ist Montag um die Mittagszeit. Der vor der Station "Kornmarkt"bereitstehende Bus in Fahrtrichtung Schloss, Molkenkur, Königstuhl wird sich nach und nach mit mehreren Dutzend Fahrgästen füllen. So viele hätten wir an einem normalen Wochentag um diese Zeit eigentlich gar nicht erwartet. Die Abfahrt verzögert sich um gut fünf Minuten. Denn der Fahrer muss die Tickets einzeln verkaufen. Zuvor stehen drei ältere Damen etwas ratlos vor dem HSB-Fahrkartenautomaten. Ihr Fahrtziel "Schloss" finden sie dort nicht. Es gehört normalerweise ja auch nicht zum Streckenplan. In Kniehöhe entdecken sie schließlich den Hinweis auf den "Bergbahnersatzverkehr" samt Tarifen. Für Erwachsene kostet die einfache Fahrt 2 Euro, egal wie weit man den Berg hochfährt. Hin- und zurück ist man mit 3,50 Euro dabei. Wer ein 24-Stunden-Ticket der HSB besitzt, bekommt Ermäßigung und fährt zum Kindertarif, der 1,50 beziehungsweise 2,50 Euro beträgt. Mit dem Ticket, das es für verschiedene Zonen gibt, können bis zu fünf Personen den Öffentlichen Nahverkehr nutzen. Also sind die drei Damen froh, dass ihnen Einheimische mit zusätzlichen Informationen weiterhelfen. Nun muss man fairerweise sagen, dass an der Außenfront der Kornmarkt-Station der Ersatzverkehr samt Streckenführung über Karlstor und Neckarmünzplatz auf einem großen Plakat ausführlich erläutert wird. Doch irgendwie konzentriert sich der Blick der Wartenden auf den Haltestellen-Bereich. "Bis jetzt sind bei uns noch keine Beschwerden eingegangen", versichert Franz-Wilhelm Coppius. Das wäre auch verwunderlich, da die meisten Gäste, die den Ersatzverkehr nutzen, von auswärts kommen. Laut Coppius bieten die beiden Busse, die im Einsatz sind, genügend Kapazitäten und können nach Voranmeldung von Gruppen bei Bedarf weitere Fahrzeuge geordert werden. Ansonsten werde der Takt eingehalten, was bei schlechtem Wetter auch mal zu Leerfahrten führen könne.

Natürlich könne der Ersatzverkehr die Bergbahn, die bis zur beginnenden Sanierung im Jahr durchschnittlich eine Million Fahrgäste befördert habe, nicht ersetzen. Vergleichszahlen könnten aber erst zum Jahresende vorgelegt werden. Wie weiter zu erfahren ist, sind die Busfahrer angehalten, die Stationen auszurufen. Bei unserer Testfahrt ist das nicht der Fall. So rätselt eine Familie aus dem Hessischen beim ersten Halt, ob sie denn schon "bei der Burg" angekommen sei, beschließt dann aber, erst mal "bis zum Königstein" weiterzufahren. Der Vater rechnet kurz die Fahrtkosten von insgesamt 14,50 Euro durch.

Auf dem Weg zum Königstuhl erfährt die Familie durch einen Mitfahrer vom dortigen Märchenparadies. Das ist an dem Tag ganz gut besucht. Doch laut Inhaber Wolfgang Mouhlen wirkt sich die fehlende Bergbahn auf den Umsatz aus. Im Übrigen findet Mouhlen, der Königstuhl müsse aufgewertet werden. Es sei bedauerlich, dass der Aussichtsturm seit Jahren für den Publikumsverkehr geschlossen sei.

<<
aktion bahn bilder home kontakt legal info links meinung presse recht über uns